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Apps abseits der App-Stores

By on 30. August 2011

Neue Konkurrenz für die Apple StoresApples App-Store und Googles Android Market sind für beide Unternhemen ein herausragender Erfolg. Für die große Mehrheit von Smartphone- und Tabletnutzern sind die systemeigenen Stores die erste Adresse bei der Suche nach neuen Applikationen. Das hatte – zumindest bisher – gute Gründe. Denn die Alternative zu den nativen Apps, also jenen, die speziell für die jeweiligen Betriebssysteme programmiert wurden, war bisher aufgrund technologischer Engpässe deutlich unattraktiver. Die Rede ist hier von Web-Apps.

Konkurrenz für die App-Stores

Web-Applikationen werden über einen beliebigen Webbrowser ausgeführt und sind damit plattformunabhängig. Egal ob iOS oder Android, über den Browser lässt sich eine Web-App prinzipiell auf jedem System ausführen. In diesem Umweg über den Browser liegt allerdings auch die oben angesprochene Schwäche der Webanwendungen; Webbrowser für mobile Betriebssysteme schränkten die Performance der darin ausgeführten Apps oft merklich ein. Web-Apps waren somit oft langsamer, weniger benutzerfreundlich und instabiler. Es zeigte sich, dass man mit etwa einer nativen iPhone App bisher besser bedient war. Doch durch die erweiterten Möglichkeiten mit der Einführung von HTML5 und der zunehmenden Performancefähigkeit der Webbrowser, relativieren sich die Vorteile der nativen Programme immer mehr. Einfach über das Internet downloadbare Web-Apps, die bisher eher eine Außenseiterposition besetzt hatten, könnten daher in naher Zukunft eine ernstzunehmende Konkurrenz für die etablierten Geschäftsmodelle der großen App-Stores werden.

Warum könnte es zum Web-App-Aufschwung kommen?

Die Gründe für den womöglichen Wechsel hin zum freien App-Handel über das Internet statt über die geschlossenen Stores sind neben dem angesprochenen Bedeutungsverlust früherer Performancenachteile vor allem auf Seiten der Entwickler zu suchen. Apps mussten bisher zum großen Teil doppelt programmiert werden, wenn diese etwa auf iOS und gleichzeitig auch auf Android funktionieren sollten. Web-Apps dagegen funktionieren wie bereits erwähnt plattformunabhängig. Hinzu kommt, dass durch Lizenzbestimmungen Provisionszahlungen anfallen können; Apple z.B. erhält 30% der Einnahmen durch kostenpflichtige Apps als Provision. Für App-Entwickler sind solche Zahlungen oder andere Einschränkungen durch Store-Richtlinien natürlich wenig attraktiv, wenn unkompliziertere Alternativen zur Verfügung stehen.

Kaum Veränderungen für den User

Für die Nutzer wird im Fall des tatsächlichen Eintretens eines solchen Web-App-Trends wahrscheinlich kaum eine Änderung zu spüren sein. Der auffälligste Unterschied wäre wohl, dass die Apps nicht mehr wie gewohnt über die App-Stores zu kaufen wären, sondern an verschiedensten „Orten“ im Internet erworben werden könnten. Auch optisch wird sich die neue Generation von Web-Apps wahrscheinlich kaum von den nativen Pendants unterscheiden; die Fullscreen-Ausführung und auch komplexe Animationen sind möglich.

Text von Kai L. Hoppenheidt, Gastautor von twago.

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